Mieter Netzwerk Dortmund e.V.
- Mit Mietern gemeinsam gestalten -

Mieter/innen Blogpost

Hier stellt der Mieter Netzwerk Dortmund e.V.  Gastbeiträge zu verschiedenen Aktuellen Themen oder Erfahrungen der Mieter/innen ein.  Und auch Sie können uns Ihre Erfahrungen sehr gerne Schreiben. Unter blogpost@mieter-netzwerk-do.de können auch Sie Ihre Erfahrung oder Gastbeiträge zusenden.

Wenn das Wohnungsaufsichtsamt dreimal klingelt…

Da komme ich heim und sehe zwei Beamte, welche unsere schicke grüne Hölle am Fredenbaumpark mit einer kleinen schwarzen Kamera knipsen. Ich sehe mir ihren Arbeitsvorgang an, ehe ich einschreiten und frage, ob sie mehr sehen wollen und wer sie sind. Ein erstaunter Blickaustausch findet statt und sie stimmen meinem Angebot zu. 

Ich bekomme die freundliche Aussage, so schlimm sehe es doch gar nicht aus, die Fassaden seien doch sauber. Die Außenanlagen seien doch gepflegt. Ich bin innerlich angespannt und führe sie ins Innere der grünen Hölle, denke mir nur, dass ist doch ein Witz, wenn sie wüssten. Ich zeige ihnen die Geheimnisse unserer Hölle. Das Haus steht vor Dreck und Siff. 

Ich spreche hier von diversen Tierkadavern, Fäkalien sowohl von Mensch als auch Tier, Dreck, Schimmel und Müll. Anlagen die nicht fachgerecht installiert sind, von Sanitär bis über den Spielplatz. Ich zeige den beiden beauftragt von der Stadt Dortmund, die Umstände in denen viele Familien hier leben müssen oder auch wollen. 

Ihnen fällt die Geruchskulisse auf, jedoch angeblich kaum bauliche Mängel, ich ziehe mein Ass aus dem Ärmel, meine Wohnung, der Dachboden und die Kellerräume. Scheinbar wirkt das wohl nicht groß, man betitelt dies als Einzelfall in diesem Komplex. Leider sieht die Realität anders aus. Nicht umsonst ziehen immer mehr Menschen hier aus und flüchten vor der Ignoranz, den Mãngeln des nichts handelnden Vermieter Altro Mondo. 

Als Alleinerziehende im Großstadt Dschungel auf Wohnungssafari in Dortmund. 

Gastbeitrag von P. Y. O aus Dortmund / Bild Mieter Netzwerk Dortmund e.V.


Da stehe ich, mit Baby auf dem Arm und der traurigen Gewissheit das wir in einer Bruchbude mit lauter Mãngeln leben, welche sich als lebensgefährlich entpuppen. Sämtliche Lianen sind ergriffen, der Anwalt, die Stadt, das Mieter Netzwerk Dortmund und Co sind involviert. Jetzt heißt es wieder umziehen. So begebe ich mich, wie jeden Abend auf die Wohnungssafari.  

Ich suche über Kleinanzeigen, social Media Netzwerke, Freunde, Immobilienseiten und dem Stadtanzeiger eine neue Bleibe. Mittlerweile bin ich bei ca. 80 Wohnungen die ich angeschrieben habe in nur 1,5 Wochen. Ich schreibe von vornherein, wer wir sind, was ich vorher beruflich gemacht habe, dass ich aufgrund von Krankheit eine Behinderung habe und daher Leistungen nach SGBII beziehe UND leider 3 Schufaeinträge habe, welche jedoch beglichen sind, aber leider noch nicht von der Schufa entfernt wurden.  Mit diesen ehrlichen Worten veranstaltet man einen ehrlichen Seelenstriptease und hofft damit zu punkten.

Doch 3 Punkte die natürlich nicht gerade ein Magnet für den Vermieter einer Immobilie sind enden entweder im nicht-antworten, einem "wir haben schon jemanden", oder tatsächlich einem Termin zur Besichtigung. und so verbringen wir täglich bis zu 6 oder 8 Stunden damit, durch Dortmund mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren um Wohnung A bis Z zu sehen. Zu meinem Entsetzen muss ich feststellen, dass 3/4 der Wohnungen die vor allem mit lockenden Bildchen im Netz sich als desaströse Bruchbuden mit merkwürdigen Vermietern entpuppen.  So habe ich Wohnungen gesehen mit Schimmel der wirklich nicht zu übersehen war gesehen, indem man mir sagte, dass sei nicht gesundheitsschädigend, über " ja wir erlassen Ihnen auch einen Monat die Kaltmiete". 

Das waren tatsächlich noch die harmlosen Varianten. Was mich auf meiner Wohnungssafari am meisten dann empört hatte waren Aussagen wie:"wir können Ihnen das auch so schreiben, dass das Jobcenter das bezahlt", bis über :"Bitte weisen Sie uns vor, dass Sie auch wirklich erkrankt sind, ärztliche Berichte, etc."   

Ich sehe gerade mal 2 Wohnungen von 15 die bewohnbar wären und gepflegt sind und dann kommt noch das böse Erwachen, die Schufa, wieso man 3 Einträge hätte, man erklärt sich, doch auch das gilt nicht, man hat also den Stempel auferlegt und schwingt sich weiter von Liane zu Liane durch den Immobiliendjungel.   und auch diese Woche haben wir noch 7 Wohnungsbesichtigungen, ob wir bald ein neues Zuhause haben werden, dass wird sich zeigen oder eben nicht.  

Wichtig ist, egal wie sehr es einen ärgert, man darf die Hoffnung nicht verlieren, dass man doch noch ein schönes Zuhause findet. 






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